Kämpferische Bühnen
Unter dem Titel „Kämpferische Bühnen. Propaganda und antifaschistischer Widerstand im proletarischen Theater der Weimarer Republik“ hat uns die Theaterwissenschaftlerin Louise Décaillet am 30.01. in der Zanke etwas über politisch-kämpferische Theaterformen aus dem linken Spektrum der Weimarer Zeit erzählt. Nach einem kurzen historischen Überblick ging es zunächst um den sozialistischen Propagandabegriff und das Verhältnis von Kunst und Revolution, das nach sowjetischem Vorbild auch in kommunistischen Kreisen in Deutschland aufgenommen wurde. Besonders die Vorstellung von „Kunst als Waffe“ stand hier im Zentrum. Angesichts der Bedrohung durch den erstarkenden Faschismus, war die Radikalisierung der politischen wie künstlerischen Agitation in Deutschland damals in besonderer Weise erforderlich. Neben anderen, wirkmächtigeren Propgandamedien, etwa den Printmedien, wurde so auch durch das Theater, bspw. in Form von Massenspektakeln der Agitpropbewegung oder von Sprech- und Bewegungschören, antifaschistische Gegen-Propaganda betrieben.
Kontrastierend dazu ging es dann auch kurz um die Propaganda des NS-Regimes. Anders als im Sozialismus ging es dabei in keiner Weise um Aufklärung der Massen, sondern vielmehr um eine Demonstration von Gewalt und Machtansprüchen. In Form der Thingspiele versuchte sich auch Propagandaminister Joseph Goebbels an einer Form des Massentheaters mit chorischen Praktiken zur Bildung und Festigung einer einheitlichen „Volksgemeinschaft“. Ab 1933 wurden zu diesem Zwecke auch eigene Freilichtstätten gebaut, etwa die heutige Freilichtbühne im Wattenscheider Stadtgarten. Diese Aufführungen waren jedoch wenig erfolgreich, sodass Goebbels 1936 prompt ein Verbot der Nutzung von Sprechchören veranlasste.
Zum Schluss hat Louise uns noch zwei zeitgenössische Beispiele für die aktivistisch-künstlerische Auseinandersetzung mit (Gegen-)Propaganda gezeigt. So konnten wir durch ihren Vortrag sicherlich alle viel Neues lernen und die historischen Erfahrungen auch auf unseren aktuellen Aktivismus beziehen. Wir danken ihr somit sehr für den lehrreichen Abend und werden auch in Zukunft weitere Veranstaltungen zu historischen und antifaschistischen Themen organisieren.
